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Andreas Ellinger

JOURNALISMUS IN WORT UND BILD

Mit Helios über den Bodensee

Veröffentlicht in: Berichte, Energie

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Die Kopf AG schafft Anwendungsbeispiele für die Solartechnik. Gestern startete eine 20 Meter lange Fähre auf dem Bodensee.

Die Solarfähre Helios auf ihrer Jungfernfahrt. Bild: A. Ellinger

Die Solarfähre Helios auf ihrer Jungfernfahrt.
Bild: A. Ellinger

Gaienhofen. Der griechische Sonnengott Helios lieh gestern bei einer Schiffstaufe am Bodensee der größten Solarfähre Deutschlands seinen Namen. Das Solar-Shuttle „Helios“ vom Typ RA 66 stach am Nachmittag von Gaienhofen aus in das sogenannte Schwäbische Meer. 20 Meter lang, viereinhalb Meter breit und 15 Tonnen schwer ist es in der Balinger Werft der Kopf AG aus Sulz-Bergfelden, Kreis Rottweil, entstanden. 52 Solarmodule versorgen dieses neunte Solarboot-Modell aus dem Hause Kopf mit Energie.

Ein 900 Amperestunden starker Akku erlaubt bei einer Reisegeschwindigkeit von zehn Kilometern pro Stunde bis zu sechseinhalb Stunden Fahrt. Die Höchstgeschwindigkeit liegt indes bei 15 Kilometern pro Stunde und erreicht damit die Geschwindigkeit der herkömmlich betriebenen Fähren auf dem See. Zunächst einmal soll das Solar-Shuttle im Testbetrieb laufen. Im kommenden Frühjahr wird die Helios dann ihre Vorgängerin, die RA 33, im Fährpendelverkehr zwischen Gaienhofen und dem schweizerischen Steckborn ablösen. Sie kann immerhin a50 Personen transportieren und ist mit ihren wesentlich kleineren Vorgängern kaum mehr vergleichbar. Um das 950.000 Mark teure Schiff finanzieren zu können, hat sich vor Ort eigens der deutsch-schweizerische Trägerverein „Solarfähre Untersee“ gegründet.

Volle Kraft voraus! Bis zu 15 Kilometern pro Stunde fährt der Solar-Katamaran Helios der Firma Kopf.  Bild: A. Ellinger

Volle Kraft voraus! Bis zu 15 Kilometern pro Stunde fährt der Solar-Katamaran Helios der Firma Kopf.
Bild: A. Ellinger

Die Solarboot-Flotte der Kopf AG ist Teil der Firmenphilosophie. Bereits vor 25 Jahren hat der innovative Betrieb seine ersten Sonnenkollektoren installiert. Seither ist das mittelständische Unternehmen mit einem Jahresumsatz von knapp 90 Millionen Mark bemüht, Anwendungsbeispiele für die alternative Energietechnik zu schaffen. Dabei sind Prestigeprojekte wie der Solarturm in Moos am Bodensee und das Solarkraftwerk in Balingen entstanden. Neben der Sonnenenergie umfasst das Kopf’sche Solar-Programm Sonnenkollektoren zur Wärmegewinnung und Solar-Absorber, wie sie beispielsweise das Sulzer Schwimmbad beheizen.

Nicht umsonst bekam die Firma 1995 den Umweltpreis des Landes Baden-Württemberg und 1997 den Deutschen Solarpreis der Sonnenenergie-Vereinigung Eurosolar. Und parallel zum 100.000-Dächer-Programm der Bundesregierung hat der Vorstandsvorsitzende Friedrich Kopf zuerst ein firmeneigenes 100-Dächer-Programm und inzwischen sogar ein 1000-Dächer-Programm gestartet – mit finanziellen Vorteilen für die Kunden versteht sich. Allein in diesem Jahr konnte die Kopf AG auf diese Weise 400 Quadratmeter Kollektorfläche und Photovoltaikanlagen mit insgesamt 210 Quadratmetern Größe verkaufen.

Die Solarfähre Helios der Kopf AG aus Sulz-Bergfelden mit einigen ihrer Vorgängermodelle im Hafen von Gaienhofen am Bodensee. Bild: A. Ellinger

Die Solarfähre Helios der Kopf AG aus Sulz-Bergfelden mit einigen ihrer Vorgängermodelle im Hafen von Gaienhofen am Bodensee.
Bild: A. Ellinger

Überhaupt treibt die 350 Mitarbeiter starke Firma alternative Energie- und Heiztechniken voran. So bietet sie Heizungen an, die Pellets oder Holzhackschnitzel verbrennen. Und um die Funktionsweise eines Blockheizkraftwerkes zu demonstrieren, hat sie in einem Sulzer Neubaugebiet sogar in ein Nähwärmenetz investiert.

1930 als Bauflaschner- und Installationsbetrieb in Sulz am Neckar gegründet, besteht die Kopf-Gruppe heute aus der Bau und Boden GmbH, der Spezialtiefbau GmbH, der Wärmeversorgungs GmbH sowie der Umwelt- und Energietechnik GmbH im sächsischen Riesa. Schon seit 1995 verfügt die AG über ein zertifiziertes Qualitäts-Management-System nach der ISO-Norm 9001. Im August 1999 zertifizierte der TÜV ihr Umwelt-Management-System nach DIN 14001. Wie heißt es doch in einer Broschüre der Kopf AG: „Umweltbewusstsein entsteht im Kopf.“

Andreas Ellinger, die tageszeitung, Wirtschaft und Umwelt

Montag

20

September 1999

Publikation:
taz

 

Ressort:
Wirtschaft