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Andreas Ellinger

JOURNALISMUS IN WORT UND BILD

Ein Musiker vom alten Schlag

Veröffentlicht in: Gesellschaft, Porträts

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50 Jahre „Blech“: Der Tubist Hans Dreher hat nicht ewig ins selbe Horn geblasen

 

Heilix Blechle… Hans Dreher, der Mr. Ehrenamt des Landkreis-Bläsertums, hat nach 50 Musiker-Jahren immer noch Puste. Mit seinem Tuba-Kollegen Dieter Stöckel, der seit 30 Jahren spielt, bildet er Bass und „Alt“ der Horber Stadtkapelle in Personalunion. Den Vorsitz will er bei der nächsten Hauptversammlung in jüngere Hände geben.

Dettingen/Horb. Es muss im Frühjahr 1960 gewesen sein, wie Hans Dreher rekonstruiert, dass er in seinem Heimatort Hausen am Tann die Jugendausbildung im Musikverein begann – das, was damals Jugendausbildung hieß…: „Unterricht hat man nicht gehabt“ – also keine Theorie, und schon gar keine Solo-Proben. Die Kinder trafen sich einmal in der Woche für eine Stunde im Gasthaus „Traube“, um mit Hilfe des schulischen Liederbuchs und des Kirchen-Gesangbuchs das Instrumentenspiel zu lernen. Und Hans begann mit einem Flügelhorn zu üben.

Eine Jugendkapelle gab‘s seinerzeit ebenfalls nicht. Seinen großen Auftritt hatte der Musiker-Nachwuchs bei der Fasnet. Mit rheinischen Schunkelliedern wurden Ständchen bestritten, um ein bisschen Geld zu erspielen. Und zum Abschluss ging‘s ins Probelokal, wo die Wirtin mit Kaba wartete.

Nach diesen Lern-Einheiten war der Sprung zu den Aktiven ein großer, wie sich Hans Dreher erinnert – und obendrein ein frühzeitiger. Mit 13 Jahren spielte er in der Kapelle mit: Den Rhythmus und den Takt einzuhalten, das war eine Herausforderung. Und die Aktiven machten weiter, als sei niemand hinzugestoßen. Schon bald ging‘s zum Wertungsspiel. „Das war schon anstrengend“, sagt Hans Dreher. Bis heute seien die Musiker seiner Generation mehr gefordert als der besser ausgebildete Nachwuchs, wenn es bei Konzerten darum gehe, rhythmisch anspruchsvolle Werke zu präsentieren, erzählt er: „Da tun wir uns schwerer als die Jungen.“

In sieben Jahren an einem kirchlichen Internat konnte Hans Dreher nur in den Ferien zu den Musik- Proben, an eine „Bläserklasse“ war nicht zu denken. Vielleicht hätte er bei den Benediktinern das Klavierspiel lernen können. Aber das wäre schwierig geworden, vermutet er – auch vom Schlagzeug hielt er sich fern: „I han zwar zwoi kräftige Oberärm‘ – aber dia schaffet meischtens gleichzeitig…“

1969 hat Hans Dreher musikalisch tief Luft geholt: Nachdem er an eine Rottweiler Schule gewechselt war, fehlte er in Hausen bei keiner Probe und keinem Auftritt mehr. Praktisch zeitgleich gründete er mit Musiker-Kameraden „Die Lustigen Wenzelsteiner“, die mit Oberkrainer-Musik und Schlagern bei Hochzeiten und Festen zum Tanze spielten. Ein Fan der Gruppe war übrigens Hans Drehes Frau Juliane, die damals Mayer hieß.

Auch nach seinem Wegzug blieb er zwei Jahre lang Hausener Musiker und bis 1986 „Wenzelsteiner“. Nachdem Hans Dreher Ende der 70er-Jahre zur Dettinger Kapelle gewechselt war, fungierte er zehn Jahre lang als Jugendleiter. 1989 heuerte er in Horb an. Das Flügelhorn hatte er längst gegen ein Tenorhorn und jenes gegen einen Es-Bass getauscht – inzwischen spielt er seit 20 Jahren B-Bass. Mit Dieter Stöckel bildet er die Tuba- Fraktion der Stadtkapelle, deren Vorsitzender Hans Dreher seit 10 Jahren ist. Noch länger führt er den Kreis-Blasmusikverband.

Ab der nächsten Hauptversammlung will er sich bei der Stadtkapelle auf den Instrumentalteil konzentrieren. Als „Musiker vom alten Schlag“ komme er mit der Auffassung vieler Jüngeren nicht mehr zurecht, begründet er. „Es gibt heute mehr Gründe, nicht in die Probe zu gehen, als in die Probe zu kommen.“ Bei allem Verständnis fürs Lernen auf Klassenarbeiten und für andere Verpflichtungen stellt er fest: „D‘Woch‘ hot mee Dag als da Donnerschdag.“

Trotzdem blickt er musikalisch voller Optimismus in die Zukunft. Der Wunsch, mal einen dritten Tubisten in der Stadtkapelle zu haben, scheint mittelfristig wahr zu werden: In Person von Julian Lacher erlernt ein Jugendlicher das Instrument – Hans Dreher unterrichtet ihn einmal in der Woche. „Wenn mir lang g’nuag spielet, gelingt uns des nô“, spricht er für sich und seinen Kollegen Dieter Stöckel, die zusammengenommen auf die 140 Jahre zugehen. Und wenn sie noch länger in der Stadtkapelle bleiben, kommt mit der heutigen Grundschülerin Maureen Straub weiterer Nachwuchs hinzu – sie spielt in einer Bläserklasse.

Kann man in dem Alter schon eine Tuba halten? Ein „Kaiserbass“ wiegt schließlich 20 bis 25 Kilogramm… Doch die Instrumentenbauer haben sich offenbar auf die Erfordernisse moderner Jugendarbeit eingestellt und „B-Bässle“ auf den Markt gebracht. Sie wiegen aber immer noch 10 Kilogramm.

Das Gewicht des Instruments ist für Hans Dreher mit seinen 61 Lenzen ebenfalls ein Faktor: Den Narren beispielsweise auf vier bis fünf Kilometern Strecke den Marsch zu blasen, das fordert in kräftemäßig zunehmend. Von Sondertrainings und dem Wechsel aufs „Bässle“ hat er bisher abgesehen – noch reicht ihm die Puste. Und meist spielt die Stadtkapelle im Sitzen. Man könnte sagen: „Den Musikanten zuliebe.“ So heißt die Lieblings-Polka des Jubiläums-Tubisten – komponiert von Alfons Teufel und gespielt vom Kreis-Jugendorchester zu Hans Drehers 50. (Geburtstag).

Andreas Ellinger, Südwest Presse Horb, Horber Chronik

Dienstag

30

November 2010

Publikation:
Südwest Presse

 

Ressort:
Horb