Andreas Ellinger

JOURNALISMUS IN WORT UND BILD

An der Filter-Front im Osten

Veröffentlicht in: Kommentare, Wirtschaft

Print Friendly

Als „verlängerte Werkbank für Horb“ hat Rainer Volz, der geschäftsführende Gesellschafter des gleichnamigen Filterunternehmens, die „Volz Filters SK s.r.o.“ im Mai 2010 angepriesen – nach Gründung der slowakischen Tochterfirma. Und daraus hätten sich „bereits schneller als erwartet positive Ansätze für die Markterschließung in Osteuropa“ ergeben, meldete Filter-Volz im Oktober 2010. „Unterm Strich“, hieß es in der damaligen Pressemitteilung, würden sich „die guten Geschäfte im Osten positiv auf den Standort Horb auswirken, wo neue, interessante Arbeitsplätze mit Zukunftsperspektive für die internationalen Märkte entstehen sollen“.

Im Vergleich dazu liest sich der Lagebericht 2011 des Volz-Konzerns ernüchternd: „Die Fremdumsätze aus dem Aufbaustandort Slowakei heraus bewegen sich auf niedrigem Niveau.“ Das Tochterunternehmen konnte gerade mal 229 400 Euro vom Konzernumsatz erwirtschaften, der sich auf knapp 49,33 Millionen Euro belief. Im Lagebericht stand: „Zur Sicherstellung des Wachstums und aufgrund der Besetzung von Schlüsselpositionen und dem Aufbau in der Slowakei wurden in 2011 gezielt Mitarbeiter eingestellt, so dass sich die Personalkosten um 1,9 Millionen Euro erhöhten.“ Und: „Bei den Verbindlichkeiten wurden zur Finanzierung des Grundstückes in der Slowakei, der Aufbaufinanzierung in der Slowakei sowie für die Finanzierung des Umlaufvermögens zusätzliche Geldmarktkredite in Höhe von drei Millionen Euro in Anspruch genommen.“ Zum Ost-Ergebnis hieß es im Lagerbericht nur: „In der Slowakei machte sich die Anlaufphase bemerkbar.“

Trotzdem steht jetzt die nächste Teilverlagerung in die Slowakei an: In Horb sind mehrere Dutzend Arbeitsplätze gefährdet. Der Arbeitsplatzverlust könnte vor allem Frauen und Teilzeitarbeitskräfte treffen, fürchtet Stefan Kirschbaum, der zuständige Gewerkschaftssekretär der Freudenstädter „IG Metall“-Verwaltungsstelle. Was ihn besonders ärgert: „Die Kolleginnen und Kollegen sollen am liebsten für nichts gehen.“ Die Arbeitnehmervertreter fordern hingegen „einen anständigen Sozialplan“ – neben Kirschbaum unter anderem die „Zweite Bevollmächtigte“ der IG Metall, Dorothee Diehm. Nach Eindruck der Gewerkschafter versucht die Volz-Führung aber, das Unternehmen „arm zu rechnen“, um möglichst wenig Geld für einen Sozialplan bereitstellen zu müssen.

Tatsächlich gehören die Werkshallen, die Millionenwerte darstellen, nicht der Firma, sondern der Familie Volz. Dafür musste die Firma allein im Jahr 2011 rund 3,773 Millionen Euro Miete bezahlen (siehe untenstehender Bericht) – für Flächen, welche die Firma nur zum Teil benötigt. Für das „Werk VII“, eine 10-Millionen-Investition, hatte das Unternehmen gar keinen Bedarf, weshalb Untermieter gesucht wurden, was aber nur eingeschränkt gelungen ist – das verrät eine siebenstellige Drohverlustrückstellung in der Konzernbilanz. Zieht die Familie Volz Geld aus der Firma, das die Belegschaft gar nicht mehr erwirtschaften kann?

Der Vorsitzende einer „Einigungsstelle“, der zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmer-Seite vermitteln soll, hat nach Gewerkschaftsangaben „einen unabhängigen Wirtschaftsprüfer“ eingesetzt. Und jener habe „die finanzielle Leistungsfähigkeit des Unternehmens etwas besser dargestellt als der Arbeitgeber“, sagte Stefan Kirschbaum, der mit keiner Einigung auf dem Verhandlungswege mehr rechnet. Was den Sozialplan betreffe, werde es wohl auf einen Schiedsspruch hinauslaufen.

Was die Finanzierung des Sozialplans betrifft, hat die IG Metall auch den Firmengründer im Blick, der noch Anteile am Unternehmen hält und inzwischen als Stifter auftritt. Die Wegweiser zum „Manfred Volz Sportpark“ lassen erahnen, wie aktiv er auch als Sponsor ist.

Stefan Kirschbaum erwartet „vom großen Wohltäter Manfred Volz“, dass er „in seine Privatschatulle“ schaut: „Die Menschen, die sein Vermögen erarbeitet haben, sind wichtiger als Rasenmäher für Sportvereine.“

Andreas Ellinger, Südwest Presse Horb, Horber Chronik

 

Siehe auch:

Volz: Von 4,581 Millionen Plus zu 1,269 Millionen Minus

Mittwoch

12

Juni 2013

Publikation:
Südwest Presse

 

Ressort:
Horb