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Andreas Ellinger

JOURNALISMUS IN WORT UND BILD

Musical-Auftritte vor 1800 Leuten

Veröffentlicht in: Berichte, Kultur

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Der elfjährige Luis Schneiderhan hat morgen Premiere im Stuttgarter Stage Apollo Theater

 

Ein elfjähriger Nordstetter erklimmt am morgigen Samstag, 28. April, die Bühne des „Stage Apollo Theaters Stuttgart“: Luis Schneiderhan spielt im Musical „Ich war noch niemals in New York“ den Jungen Florian – eine von fünf zentralen Rollen.

Nordstetten/Stuttgart. „Das Musical ,Ich war noch niemals in New York‘ erzählt von Sehnsüchten, Träumen und der Suche nach einem erfüllten Leben.“ So steht es in der Pressemitteilung des Stage Apollo Theaters Stuttgart. Für den Fünftklässler Luis Schneiderhan trifft das in besonderem Maße zu: Für ihn geht mit seiner Rolle als Florian ein Traum in Erfüllung. Schon als Grundschüler, der begeistert in der Theater AG mitgespielt hat, wollte er Schauspieler werden. Sogar nach Casting-Terminen habe er im Internet gesucht, erzählt er. „Dô bisch no z’klei“, sagte ihm seine Mutter, Ute Karp.

Stimmt nicht, merkte Luis, als er mit seinen Eltern im vergangenen Jahr in Stuttgart das Musical „Ich war noch niemals in New York“ besucht hat. In der Pause bekam er eine Broschüre in die Hand, in der er eine Annonce fand: „Florian gesucht“. Im Rahmen der mehrjährigen Aufführungen wachsen nämlich die Kinder-Darsteller aus dieser Rolle heraus. Das geforderte Persönlichkeits-Profil: 10 bis 14 Jahre alt und nicht größer als 1,40 Meter. „Am nächsten Tag habe ich mich mit einem Brief beworben“, erzählt der selbstbewusste und redegewandte Fünftklässler – drei Tage später kam die Antwort. Für Mitte September wurde er zum ersten Casting eingeladen.

„In einer großen Halle“ sahen sich Luis Schneiderhan und die anderen Bewerber mit einer fünfköpfigen Jury konfrontiert. „Die haben Musik laufen lassen und wir sollten im Takt durch den Raum laufen“, erzählt er. „Ein bisschen tanzen“ sollten die Kinder auch noch – und ein Lied ihrer Wahl vorsingen. Der Junge aus Nordstetten entschied sich für „Universum“ von der Formation „Ich und Ich“. Dann habe die Jury „gleich gesagt, wer weiter ist“ – Luis war dabei.

Es folgte ein zweites Casting, bei dem der Nordstetter abermals weiterkam. Julia Blank aus Isenburg hatte den Jungen, wie schon vor der ersten Runde, darauf vorbereitet – mit Gesangsunterricht inklusive Atemtechnik-Training.

Nach diesem Casting kam Luis in eine Vorbereitungsgruppe. Neun Wochen lang fuhren Jochen Schneiderhan und Ute Karp ihren Sohn jeden Freitag nach Stuttgart, wo er jeweils drei Stunden lang in Gesang, Sprechen, Schauspiel und Tanz geschult wurde. In einem dritten Casting zeigten die Kinder, was sie gelernt haben – am 17. Dezember. Sie sollten das Lied „Mit 66 Jahren“ von Udo Jürgens singen, was „Florian“ im Musical als Solo vortragen muss. Zudem sollten sie einige Szenen vorspielen, wie Luis Schneiderhan erzählt – und eine Improvisationsübung meistern: Es ging um ein Weihnachtsfest, das zu einem Durcheinander

wird. Ein gereizter Vater gehörte zur Ausgangslage – die Jury sagte, was dann passierte. Und die Kinder mussten spontan darauf reagieren. Zum Beispiel, als der Tannenbaum Feuer fing und der Sohn einen Lachanfall bekam…

Anschließend kam Luis in eine „Intensivgruppe“. Abgesehen vom Grundlagen-Unterricht galt es jetzt, die Musical-Szenen einzuüben, welche die „Floriane“ spielen sollen. Zuletzt gab es drei Bühnenproben – „auf der echten Bühne, mit den echten Requisiten“, erzählt Luis. Das Theater wirbt in einer Presse-Information mit einer „Requisite der Superlative“. 23 Trucks haben das Bühnenbild nach Stuttgart transportiert. „Bühnenwagen“ ermöglichen schnelle Szenenwechsel: „Der größte Bühnenwagen trägt den kompletten Aufbau der Hochzeitssuite. Er hat ein Gesamtgewicht von 20 Tonnen, einen Durchmesser von 14 Metern und er ist 7,5 Meter hoch. Damit ist er der größte Bühnenwagen, den es je auf einer deutschen Bühne gegeben hat. Die Suite fährt motorenbetrieben und computergesteuert mit 0,6 Metern pro Sekunde lautlos zwölf Meter vor und zurück. […] Neun Bühnenwagen bilden das Sonnendeck des Schiffs.“

Alleine das Drumherum ist demnach ein beeindruckendes Schauspiel. „Dresser“ gewährleisten einen sekundenschnellen Kostümwechsel, wie Mechaniker bei der Formel 1 die Reifenwechsel. Luis spielt zu Beginn des Musicals beispielsweise noch eine kleine Mädchenrolle. Dazu muss er eine der 100 Perücken aufsetzen, die in der Show verwendet werden – eine mit Zöpfen. Dann folgen seine Auftritte als Florian – singend, tanzend, spielend. In jeweils vierstündigen Trainings, jeden Freitag und Samstag, hat sich Luis darauf vorbereitet. Seit Jahresbeginn. Und das neben der Schule her: Er geht auf das Martin-Gerbert-Gymnasium. Um sicherzugehen, dass der Junge nicht überfordert wird, hat sogar das Jugendamt bei der Familie vorbeigeschaut, erzählt Ute Karp. Und der Musical-Veranstalter verlangte eine ärztliche Untersuchung. Dann wurde der Arbeitsvertrag unterschrieben. Der Elfjährige hat inzwischen eine Sozialversicherungsnummer. Im Gegensatz zu manchen seiner jungen Kollegen, die ihren Eltern Benzingeld abgeben müssen, fließt seine Gage aber auf sein Konto. Denn für seine Mutter gilt der Grundsatz: „Wenn man was Besonderes leistet, darf man sich auch was Besonderes gönnen.“ Oder ihr Sohn spare das Geld für seine Ausbildung.

Luis erzählt: „Ich wollte etwas in Richtung Schauspiel machen… – das Singen macht mir jetzt auch Spaß.“ Und seiner Mutter fällt ein: „Gesungen hattest Du eigentlich noch nie…“ Im Gegensatz zu ihr und ihrem Mann – bei der Fasnet. Während Ute Karp beim Eröffnungsball der Horber Narrenzunft singt und tanzt und spielt, moderiert und singt ihr Mann Jochen „Franzi“ Schneiderhan bei den Nordstetter Stoibrechern.

Die Eltern machen Spaß – und ihr ehrgeiziger Sohn macht jetzt ernst. Aber sooo ernst dann auch wieder nicht. Als Florian lässt er manchen vorlauten Spruch los – zum Beispiel als Lisa Wartberg (eine Hauptrolle, siehe unten) im Leoparden-Kostüm auf einem Parkplatz Dehnübungen macht: „Der Leopard turnt. Hey, das sieht endpeinlich aus!“

Am Mittwoch hat Luis Schneiderhan die finale Hürde für die Premiere genommen – die Generalprobe. Während der begeisterte Junior relativ entspannt an die Aufgabe heranzugehen schien, war seine Mutter aufgeregt: „Mir isch Hemmelangscht“, gestand sie. Bei den ein bis zwei Vorführungen pro Monat – bis Oktober – erwarten den Elfjährigen auf der Bühne

 

Das Musical „Ich war noch niemals in New York“ in Stuttgart

Im Stage Apollo Theater Stuttgart geht seit dem 18. November 2010 „regelmäßig ein Ozeanriese auf große Fahrt“, schreibt die Pressestelle des Theaters. „Mit an Bord sind nicht nur Träume und Sehnsüchte, sondern auch 20 Songs des Sängers und Entertainers Udo Jürgens.“

Zum Inhalt: „Das Musical ,Ich war noch niemals in New York‘ erzählt von Sehnsüchten, Träumen und der Suche nach einem erfüllten Leben. Im Mittelpunkt steht die erfolgreiche Fernsehmoderatorin Lisa Wartberg. Ausgelastet durch ihre Karrierepläne vernachlässigt sie ihre Mutter Maria. Die lebenslustige alte Dame fühlt sich abgeschoben und beschließt kurzerhand, ihre große Liebe Otto Staudach in New York unter der Freiheitsstatue zu heiraten. Heimlich besteigt das Paar ein Kreuzfahrtschiff. Bei dem Versuch, ihre Mutter aufzuhalten, trifft Lisa auf Axel Staudach und dessen Sohn Florian. Beide wollen ihren Senior ebenfalls zurückholen. Auf hoher See nimmt eine turbulente Geschichte mit Verwechslungen und Selbsterkenntnissen ihren Lauf“ – am Samstag, 28. April, um 14.30 Uhr zum ersten Mal mit Luis Schneiderhan aus Nordstetten in der Rolle des Florian.

 

Andreas Ellinger, Südwest Presse Horb, Horber Chronik

Freitag

27

April 2012

Publikation:
Südwest Presse

 

Ressort:
Horb