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Andreas Ellinger

JOURNALISMUS IN WORT UND BILD

Die Gewalt unter Neonazis

Veröffentlicht in: Berichte, Gesellschaft

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Bisherige „Kameraden“ der Mutter, die ihr Baby in einen Eisschrank gelegt hat, sprechen ihr nach der Tat ab, dass sie eine „Nationale Sozialistin“ sei. Dabei wirkt sich die Gewaltbereitschaft der Szene immer wieder auch intern aus, wie Buch-Autor Andreas Speit festgestellt hat.

Horb. Neonazis fordern die Todesstrafe für Kinderschänder und Kindermörder und propagieren Familiensinn. Da passt es nicht ins angeblich nationalistische Werte-System, wenn eine Szene-Mutter ihr Baby tötet – so wie es mutmaßlich in Horb passiert ist. Starb das Kind, obwohl die Mutter unter Neonazis verkehrte – oder vielleicht sogar auch deshalb, weil sie in dieser Szene mit ihren Menschen verachtenden Idealen verortet war?

In einer Broschüre über den „Mythos Kameradschaft“ kommt der Buch-Autor und Journalist Andreas Speit zu dem Ergebnis: „Wo Gewaltfähigkeit und Gewaltbereitschaft zur Politik und Selbstinszenierung einer Gruppe gehören, bedroht sie nicht nur die ideologisch ausgemachten Feinde. Sie richtet sich auch gegen die eigenen ,Kameraden‘.“ Speit schildert Fälle gruppeninterner Gewalt in der „rechten Szene: von Misshandlungen, Vergewaltigungen bis hin zu Morden“. Von Szene-Aussteigern hat er erfahren, dass die „verschworene Gesinnungs-Gemeinschaft“ nur eine „hohle Phrase“ sei.

Neonazis haben immer wieder das Problem, dass sie trotz ihres Fanatismus von der Realität eingeholt werden. Sie hetzen beispielsweise gegen „Schwule“ – es gibt aber Homosexuelle in der Szene, so wie in der übrigen Gesellschaft eben auch. Außerdem gab es Homosexualität schon unter früheren Nazi-Größen wie dem SA-Chef Ernst Röhm – das hat also auch unter Nationalisten Tradition.

Dass die Nazi-Ideologie ein Phantasie-Konstrukt – mit Tod bringender Wirkung – ist, dafür ist der „Führer“ selbst ein Beispiel – dieser blonde, groß und kräftig gewachsene arische Österreicher namens Adolf Hitler…

Info: Andreas Speit: „Mythos Kameradschaft“, Bildungsvereinigung „Arbeit und Leben“, ISBN: 3-932082-13-3.

Andreas Ellinger, Südwest Presse Horb, Horber Chronik

 

Siehe auch:

Zum Schutz von Neonazis?

Nazis drohen Kameraden

Samstag

7

Juni 2008

Publikation:
Südwest Presse

 

Ressort:
Horb