Andreas Ellinger

JOURNALISMUS IN WORT UND BILD

Zwischen den Richtwerten

Veröffentlicht in: Berichte, Gesundheit

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Roßbergschule: Landratsamt machte nach Formaldehyd-Untersuchung 2006 eine sechsjährige Mess-Pause

 

Die Formaldehyd-Konzentration in einem Raum der Roßbergschule lag im März 2006 zwischen den Richtwerten der Weltgesundheitsorganisation und des Bundesgesundheitsamts (BGA). Die nächste Messung ließ das Landratsamt im Februar 2012 vornehmen in einem anderen Raum. In einem dritten Raum wurde der verbindliche Richtwert des BGA am 8. Februar 2013 überschritten.

Horb. Das Landratsamt Freudenstadt hat am Dienstag die Pressefragen vom Freitag beantwortet. Demnach hat das Institut für Arbeits- und Sozialhygiene (IAS)) am 16. März 2006 die erste Formaldehyd-Messung in der Roßbergschule gemacht – in zwei Räumen. Im einen lag die Konzentration bei 62 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft, im anderen bei 114. Der „verbindliche Richtwert des Bundesgesundheitsamtes“ liegt laut Landratsamt bei 120 Mikrogramm. Der Richtwert der Weltgesundheitsorganisation beträgt hingegen nur 100 Mikrogramm. Eines der 2006er-Ergebnisse lag folglich um 14 Prozent höher. Messungen in weiteren Räumen hat das Landratsamt damals nicht veranlasst. Die nächste IAS-Untersuchung erfolgte laut Landratsamt am 21. Februar 2012 im Schulsekretariat. Ermittelt wurden 41 Mikrogramm Formaldehyd pro Kubikmeter Raumluft.

Die nächsten Formaldehyd-Messungen im Sekretariat hat die Unfallkasse Baden-Württemberg vorgenommen. 115 Mikrogramm kamen am 20. November heraus, 82 Mikrogramm am 22. Januar (63 Mikrogramm sind im Büro des Konrektors gemessen worden).

In einem weiteren Zimmer hat das IAS am 8. Februar 2013 gemessen: 124 Mikrogramm – dieses Ergebnis liegt über dem Richtwert des Bundesgesundheitsamtes. Sabine Eisele, die Pressesprecherin des Landratsamtes, schreibt: „Danach wurde in diesem Raum ein fotokatalytischer Anstrich aufgebracht, von dem man sich eine Reinigung der Luft erhoffte.“ In diesem Raum wurden am 22. Februar um 9 Uhr 108 Mikrogramm und um 16 Uhr 123 Mikrogramm festgestellt – nachmittags also erneut ein Ergebnis über besagtem Richtwert. Das Landratsamt folgert: „Der fotokatalytische Anstrich hat also keine Reduzierung der Formaldehyd-Belastung erbracht.“ Am 13. März hat Landrat Dr. Klaus Michael Rückert die Eltern über eine „Sofortmaßnahme“ informiert – es werde jetzt regelmäßig gelüftet. Pressesprecherin Eisele hat noch auf folgendes hingewiesen: „Der von der Unfallversicherung angewandte Referenzwert von 0,060 Milligramm pro Kubikmeter ist nicht verbindlich, sondern lediglich ein Referenzwert, der nach Messungen an Schulen mit folgender Mess-Strategie gebildet wurde: die Schulräume wurden 15 Minuten gründlich gelüftet, danach Türen und Fenster für acht Stunden geschlossen, dann erfolgte die Messung. Unsere Messungen erfolgten nach 24 Stunden ohne Lüftung, das heißt im Vergleich zu den Messungen der Unfallversicherung war bei unseren Messungen dreimal länger unbelüftet und damit eine Verdreifachung der Kontamination der Raumluft möglich. Deshalb können unsere Messwerte nicht mit dem Referenzwert der Unfallkasse verglichen werden.“

In der Pestalozzischule hat das Institut für Arbeits- und Sozialhygiene am 22. Februar 2013 zum ersten Mal Formaldehyd gemessen: 156 Mikrogramm pro Kubikmeter. Zudem wurde Pentachlorphenol (PCP) festgestellt: 0,14 Mikrogramm pro Kubikmeter Raumluft. Der Richtwert des Bundesgesundheitsamtes liegt laut Landratsamt bei 1 Mikrogramm. Polychlorierte Biphenyle (PcB) wurden in einer Konzentration von 60 Nanogramm pro Kubikmeter ermittelt. Der BGA-Richtwert liegt laut Landratsamt bei 300 Nanogramm.

„Die Ergebnisse der derzeit laufenden Messungen werden nach den Osterferien vorliegen“, schreibt Pressesprecherin Sabine Eisele. „Wir werden im Technischen Ausschuss des Kreistags am 15. April darüber berichten und – abhängig von den neuen Messwerten Vorschläge unterbreiten.“

Andreas Ellinger, Südwest Presse Horb, Horber Chronik

 

Siehe auch:

Bericht: Formaldehyd an Kreisschulen (23.03.2013)

Kommentar: Vergiftetes Schulklima (26.03.2013)

 

Mittwoch

27

März 2013

Publikation:
Südwest Presse

 

Ressort:
Horb