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Andreas Ellinger

JOURNALISMUS IN WORT UND BILD

Was kostet welcher Strom?

Veröffentlicht in: Berichte, Energie

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Die Befürchtung, dass Rexinger Bürger einen Windpark im Waldgebiet „Großer Hau“ nicht nur mit ihrem Naherholungsgebiet bezahlen, sondern obendrein mit einer höheren Stromrechnung, hat Fragen aufgeworfen: Wie viel kostet Strom von welchem Energieträger? Welcher Strom erhöht den gegenwärtigen Strompreis, welcher drückt ihn?

Bezüglich des Stroms aus erneuerbaren Energien stehen die Antworten im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Die Einspeisevergütungen für Strom aus Anlagen, die derzeit ans Netz gehen: Wasserkraft (3,5 bis 12,7 Cent), Deponiegas (5,89 bis 8,6 Cent), Klärgas (5,89 bis 6,79 Cent), Grubengas (3,98 bis 6,84 Cent), Biomasse/Biogas (6 bis 25 Cent), Geothermie (25 bis 30 Cent), Windenergie (4,87 bis 9,41 Cent) und Sonnenenergie (13,5 bis 19,5 Cent).Strom aus älteren Anlagen wird höher vergütet.

Aber wie viel kostet eine Kilowattstunde Strom aus Atom- oder Kohlekraft? Eine Anfrage beim Landesumweltministerium, das die Energiewende vorantreiben will und sich mit einem Kosten-Vergleich befasst haben könnte, erbringt keine Zahlen: Das Ministerium verweist auf den Bundesverband der Energieund Wasserwirtschaft (BDEW) und auf die „Energieversorgung Baden-Württemberg“ (EnBW), die fast zur Hälfte dem Land gehört. Der BDEW hat an die Strombörse EEX (European Energy Exchance AG) weitergeleitet und die dortige Pressestelle teilte mit: „Beim Stromhandel an der EEX beziehungsweise EPEX SPOT wird nicht unterschieden, aus welcher Quelle der Strom stammt. Das bedeutet, es gibt einen Preis für Strom – egal, wie dieser produziert wurde.“

Und die EnBW, die betriebswirtschaftlich mit Atom- und Kohlekraft-Strom zu tun hat, teilt auf die Frage nach dessen Kosten pro Kilowattstunde mit: „Diese Unterscheidung ist nicht möglich. Einen nicht unbeträchtlichen Teil des heute an die Kunden verkauften Stroms haben wir tranchenweise und zu verschiedenen Zeitpunkten an der Börse beschafft.“ So wie die Milch heutzutage nicht mehr von der Kuh, sondern aus dem Supermarkt zu stammen scheint, kommt der Strom offenbar von der Börse. Sarkastisch gefragt: Wofür bedarf es noch Kraftwerken?

Nächster Versuch, beim Bundesumweltministerium: Auch das weiß nicht, was Kohlekraft- oder Atomstrom kostet. Es fragt sich, wie ohne Kosten-Vergleich von Atomenergie, Windenergie und Co. errechnet werden konnte, was die Energiewende (weg von der Atomkraft) kostet? Immerhin sind unterschiedliche Ergebnisse, was die Energiewende angeblich kostet, während der politischen Debatte um dieselbe veröffentlich worden.

Die letzte Anfrage ist von Zahlen gekrönt – die Anfrage bei der Mannheimer MVV AG, die gerne in Horb einen Windpark bauen würde: „Bei der Steinkohle können Sie von rund 5 bis 7 Cent pro Kilowattstunde ausgehen (Neubau).“ Je nach Anlagentyp, Standort und so weiter seien aber auch deutlich abweichende Werte möglich. Bei der Kernenergie sei von 4 bis 6 Cent pro Kilowattstunde auszugehen. Angelehnt sei diese Berechnung an die „Leitstudie 2012“ des Bundesumweltministeriums sowie an Zahlen des Energiekonzerns RWE und der Universität Stuttgart.

Der durchschnittliche Strompreis an der Börse hat laut MVV im Jahr 2011 bei 5,1 Cent pro Kilowattstunde (Grundlast) und bei 5,7 Cent (Spitzenlast) gelegen. Die durchschnittliche EEG-Vergütung für Windenergie (an Land) habe im selben Jahr nach Zahlen des BDEW 8,8 Cent pro Kilowattstunde betragen, bei Solarenergie 37,7 Cent.

Zum Vergleich: Strom aus einem Horber Windpark würde mit 9,41 Cent pro Kilowattstunde vergütet.

Fazit: Zumindest die jeweils leistungsfähig(st)en Anlagen im Bereich der erneuerbaren Energie –mit Ausnahme von Solarenergie und Geothermie – können offenbar preislich mit Atom- und Kohlekraft mithalten. Was den Börsenpreis betrifft, trägt der EEG-Strom vielleicht sogar zu einer Preissenkung bei. Denn in windigen, sonnigen oder niederschlagsreichen Zeiten, gibt es viel (EEG-)Strom. Und wenn ein Angebot wächst, sinkt der Preis.

Andreas Ellinger, Südwest Presse Horb, Horber Chronik

Samstag

30

Juni 2012

Publikation:
Südwest Presse

 

Ressort:
Horb